Der Petralona-Schädel erneut untersucht: Forscher sagen, er sei mindestens 286.000 Jahre alt

The Petralona skull
Bildnachweis: Nadia Petkova (Wikimedia) (CC BY-SA 3.0)

Der Petralona-Schädel, eines der umstrittensten Fossilien der menschlichen Evolution, ist durch eine aktuelle geochronologische Studie wieder in den Fokus gerückt.1

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Der 1960 in einer Höhle in Griechenland entdeckte und nahezu vollständig erhaltene Petralona-Schädel war trotz der vielen Jahre bisher nicht eindeutig datiert worden. Jüngste Analysen mit der Uran-Thorium-Datierungsmethode ergaben jedoch, dass das Fossil mindestens 286.000 Jahre alt ist.

Laut Forschern untermauert der Petralona-Schädel die Annahme, dass im Mittelpleistozän mehrere menschliche Abstammungslinien in Europa koexistiert haben könnten. Seit seiner Entdeckung steht der Schädel, der verschiedenen menschlichen Arten wie Homo erectus, Homo neanderthalensis und Homo sapiens zugeordnet wurde, aufgrund der Unsicherheit bezüglich seines Alters im Mittelpunkt der Debatte.

Die Uran-Thorium-Datierung wurde angewendet

Wie im Artikel erläutert, untersuchte das Forschungsteam im Gegensatz zu früheren Studien die direkt auf dem Schädel von Petralona gebildeten Kalzitschichten. Denn obwohl der genaue Fundort des Fossils in der Höhle umstritten war, lieferte die Kalzitablagerung auf dem Schädel eine verlässliche Untergrenze für die dortige Liegezeit.

Die Uran-Thorium-Datierung ist eine seit Langem angewandte Methode zur Altersbestimmung von Karbonatformationen wie Kalzit. Laut den Forschern lieferte diese Methode bei der Petralona-Probe zuvor keine eindeutigen Ergebnisse, da die Kalzitschichten stark mit Ton und anderen Fremdstoffen verunreinigt waren. In der neuen Studie wurden hingegen ausschließlich die reinsten und ältesten Kalzitschichten mittels Mikroprobenahme analysiert.

Die Ergebnisse zeigen, dass die älteste Kalzitschicht des Schädels vor 286.000 Jahren entstanden ist. Die Studie betont, dass dieses Datum das frühestmögliche Alter des Fossils darstellt, nicht sein tatsächliches Alter. Mit anderen Worten: Der Petralona-Schädel könnte älter sein, ist aber höchstwahrscheinlich nicht jünger.

Die Forscher führten zudem eine vergleichende Analyse mit anderen Kalzitproben aus verschiedenen Teilen der Höhle durch. Dieser Vergleich warf erneut die Frage auf, ob der Schädel, wie zuvor behauptet, einst an der Höhlenwand befestigt war. Laut dem Artikel stammen der den Schädel bedeckende Kalzit sowie die dicken Stalaktiten und andere Formationen an den Höhlenwänden nicht aus derselben Zeit. Daher könnte der Schädel später in die Höhle versetzt worden sein.

Tropfsteinhöhle von Petralona (Σπήλαιο Πετραλώνων)
Bildnachweis: Carl Staffan Holmer (Wikimedia) (CC BY-SA 3.0)

Die ersten Datierungsstudien der 1970er und 1980er Jahre stützten sich auf damals innovative Methoden wie Elektronenspinresonanz, Thermolumineszenz und paläomagnetische Analyse. Die Zuverlässigkeit dieser Methoden in Karsthöhlen wurde jedoch bereits in diesen frühen Jahren stark kritisiert.

Die Autoren der neuen Studie geben an, dass die bisher ermittelten großen Altersspannen hauptsächlich auf die Unsicherheit bezüglich der stratigraphischen Position des Fossils zurückzuführen sind. Da es nicht möglich war, den Schädel direkt mit den in seiner Umgebung gefundenen Tierknochen und Steinwerkzeugen in Verbindung zu bringen, waren indirekte Datierungsversuche unumgänglich. Dies führte zu extrem weit auseinanderliegenden Altersschätzungen von 170.000 bis 700.000 Jahren.

Die jüngsten Analysen unter der Leitung von Christophe Falguères werden nun durch unbestreitbar aussagekräftige Daten gestützt. Dennoch verwendet die Studie eine vorsichtige Sprache. Die Autoren geben an, dass das genaue Alter des Petralona-Schädels weiterhin unbekannt ist, lediglich, dass er nicht jünger als 286.000 Jahre sein kann.

Gab es in Europa mehrere menschliche Arten?

Die morphologischen Merkmale des Petralona-Schädels stimmen weder vollständig mit denen von Neandertalern noch von modernen Menschen überein. Vergleiche mit dem zuvor in Afrika gefundenen Kabwe-Schädel zeigen jedoch signifikante Ähnlichkeiten in Gesichtsstruktur und Schädelproportionen zwischen den beiden Fossilien. Dies ist von großer Bedeutung, da es darauf hindeutet, dass einige menschliche Populationen des Mittelpleistozäns in Europa und Afrika enger miteinander verwandt gewesen sein könnten als bisher angenommen. Die Existenz solcher Fossilien, die keine Neandertaler-Merkmale aufweisen, aber auch nicht direkt mit modernen Menschen in Verbindung gebracht werden können, belegt, dass der Evolutionsprozess eher verzweigt als linear verlief.

  1. Falguères, C., Shao, Q., Perrenoud, C., Stringer, C., Tombret, O., Garbé, L., & Darlas, A. (2025). New U-series dates on the Petralona cranium, a key fossil in European human evolution. Journal of Human Evolution, 206, 103732. https://doi.org/10.1016/j.jhevol.2025.103732[]
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