
Bildnachweis: Doc. RNDr. Josef Reischig, CSc. ©️CC BY-SA 3.0
Wissenschaftlern zufolge wird die globale Erwärmung die Ausbreitung tödlicher Pilzinfektionen beschleunigen.
Die Auswirkungen des Klimawandels auf unseren Planeten beschränken sich leider nicht nur auf schmelzende Gletscher und steigende Meeresspiegel. Viele Faktoren wie steigender Energiebedarf, Massenmigration, Druck auf Wasserressourcen und Ernährungssicherheit können allein schon eine globale Krise auslösen. Darüber hinaus wurden in den letzten Jahren einige Pilzinfektionen, die früher auf tropische Regionen beschränkt waren, auch in gemäßigten Zonen nachgewiesen. Dies gibt Wissenschaftlern Anlass zur Sorge, da sie das Potenzial haben, eine globale Pandemie auszulösen.
In einer am 2. Mai 2025 in Research Square veröffentlichten Studie konzentrieren sich Forscher auf die Möglichkeit, dass sich bestimmte Aspergillus-Arten aufgrund des Klimawandels insbesondere in Richtung mittlerer Breiten ausbreiten könnten.1
Die Gattung Aspergillus umfasst etwa 200 Pilzarten. Einige dieser Arten haben schwerwiegende pathogene Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit. Die auffälligste und gefährlichste unter ihnen ist Aspergillus fumigatus, der aufgrund seiner Fähigkeit, bei Körpertemperatur zu wachsen, bei Personen mit geschwächtem Immunsystem tödliche Infektionen auslösen kann.
Aspergillus fumigatus ist ein Schimmelpilz, der üblicherweise in verrottender organischer Substanz wächst. Er gedeiht in Umgebungen wie Erde, Kompost und Laubstreu. Er ist außerdem für seine Fähigkeit bekannt, hohe Temperaturen zu überleben.
Unser Immunsystem ist stark genug, um die Sporen dieses Schimmelpilzes zu neutralisieren. Bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem können diese Sporen jedoch schwere Infektionen verursachen.
Aspergillus fumigatus kann eine schwere Atemwegsinfektion, die sogenannte invasive Aspergillose, auslösen, insbesondere bei Krebspatienten unter Chemotherapie, Organtransplantationspatienten, HIV/AIDS-Patienten oder Patienten, die immunsuppressive Medikamente wie Kortikosteroide einnehmen. Die Infektion beginnt meist in der Lunge und breitet sich auf die Nebenhöhlen, das Gehirn und andere Organe aus.
Einer von Sourabh Dhingra und Robert A. Cramer veröffentlichten Studie zufolge wird aufgrund der in letzter Zeit zunehmenden Verwendung immunsuppressiver Medikamente geschätzt, dass Aspergillus fumigatus jedes Jahr mehr als 600.000 Todesfälle verursachen könnte.2
Eine weitere Aspergillus-Art, die tödliche Auswirkungen auf den Menschen haben kann, ist Aspergillus flavus. Die gefährlichste Eigenschaft dieser Art ist ihre Fähigkeit, eine chemische Verbindung namens Aflatoxin zu synthetisieren. Aflatoxine können dank ihrer lipophilen Struktur leicht Zellmembranen passieren und mit der DNA interagieren. Langfristige und niedrig dosierte Aflatoxinexposition kann zu einer Verschlechterung der Leberfunktion, einer Schwächung des Immunsystems und schließlich zu tödlichem Leberkrebs wie dem Hepatitis C-C-Virus (HCC) führen.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) haben klar erklärt, dass Aflatoxine zu den Hauptgiften gehören, die die globale Ernährungssicherheit bedrohen. Dementsprechend haben viele Länder gesetzliche Grenzwerte für diese Toxine festgelegt. Trotz dieser Vorschriften können jedoch Aflatoxin-Verunreinigungen in landwirtschaftlichen Produkten nachgewiesen werden, insbesondere in feucht-heißen Klimazonen. Es wird prognostiziert, dass die globale Erwärmung und Veränderungen in der landwirtschaftlichen Praxis diesen Prozess noch weiter beschleunigen werden.
Die im Research Square veröffentlichte Studie legt nahe, dass das weltweite Verbreitungsgebiet von Aspergillus-Arten bis 2100 um 77 % zunehmen könnte.
- Norman van Rhijn, Christopher Uzzell, Jennifer Shelton et al. Climate change-driven geographical shifts in Aspergillus species habitat and the implications for plant and human health, 02 May 2025, PREPRINT (Version 1) available at Research Square [https://doi.org/10.21203/rs.3.rs-6545782/v1][↩]
- Dhingra S, Cramer RA. Regulation of Sterol Biosynthesis in the Human Fungal Pathogen Aspergillus fumigatus: Opportunities for Therapeutic Development. Front Microbiol. 2017 Feb 1;8:92. doi: 10.3389/fmicb.2017.00092. PMID: 28203225; PMCID: PMC5285346.[↩]





