1.800 Jahre alter römischer Pferdefriedhof entdeckt

römischer Pferdefriedhof
Bildnachweis: ArchaeoBW/LAD/dpa

In Stuttgart wurde ein riesiger Pferdefriedhof entdeckt, der vermutlich römischen Kavallerieeinheiten gehörte und aus der Römerzeit stammt.

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Im Sommer 2024 hätte niemand erwartet, dass eine routinemäßige Bohrung in Stuttgart im Vorfeld eines Standardbauprojekts zu einer Entdeckung führen würde, die so bedeutsam sein würde, dass sie etablierte Darstellungen der römischen Geschichte in Frage stellen würde.

Anfangs wurden auf der Fundstätte – die zuvor auf den deutschen archäologischen Bodenkarten als Gebiet mit mittlerem Risiko ausgewiesen war – nur wenige verstreute Pferdeknochen gefunden. Doch systematische Ausgrabungen in den darauffolgenden Tagen brachten einen riesigen, fast 1.800 Jahre alten Pferdefriedhof ans Licht.

Die Ausgrabungen wurden unter der Aufsicht des Landesamtes für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Baden-Württemberg durchgeführt. Die offizielle Bekanntgabe erfolgte am 16. April 2025. Archäologen zufolge handelte es sich bei der Fundstätte – südöstlich von Stuttgart gelegen – um eine große Nekropolenanlage, die während der Römerzeit militärisch genutzt wurde. Über 100 Pferdeskelette, vermutlich römischen Kavallerieeinheiten, den sogenannten „Alae“, zuzuordnen, wurden dokumentiert. Dies macht diesen Fund zu einem der dichtesten Funde dieser Art, der jemals in Europa dokumentiert wurde.

Laut der Grabungsleiterin, der Archäologin Sarah Roth, scheinen die meisten Pferde eines natürlichen Todes, an Altersschwäche oder durch traumatische Verletzungen gestorben zu sein. Ihre Bestattung wies keine ungewöhnlichen Muster auf, und es wurden keine Waffen, Rüstungen oder Kavallerieausrüstung in den Gräbern gefunden. Dies deutet darauf hin, dass es sich bei der Stätte nicht um ein Schlachtfeld, sondern um einen speziellen militärischen Tierfriedhof innerhalb der internen Struktur einer römischen Garnison handelte.

Historische Aufzeichnungen deuten darauf hin, dass die römische Kavallerieeinheit „Ala I Flavia Gemina“ in dieser Region des Reiches stationiert gewesen sein könnte. Einheiten dieses Typs umfassten typischerweise etwa 500 Reiter und benötigten für tägliche Übungen, Patrouillen und Feldzüge eine Flotte von mindestens 700 Pferden.

Begraben unter derselben Erde, aber mit unterschiedlicher Bedeutung

Einer der bemerkenswertesten Funde an der Stätte war ein Pferdegrab, das sich durch symbolische Gegenstände von den anderen abhob. Zwei Keramikgefäße und eine Öllampe, die in der Nähe der Pferdebeine platziert waren, sind Gegenstände, die häufig in römischen Menschengräbern gefunden wurden. Sarah Roth geht daher davon aus, dass das Tier wahrscheinlich eine starke emotionale Bindung zu seinem Besitzer hatte.

Ein weiterer bemerkenswerter Fund war ein menschliches Skelett, das außerhalb der Hauptnekropole gefunden wurde. Im Gegensatz zu dem zuvor erwähnten Pferdegrab enthielt dieses Grab keine Markierungen, symbolischen Gegenstände oder architektonischen Merkmale. Daher vermuten Archäologen, dass es sich bei der Person möglicherweise nicht um einen römischen Bürger, sondern um einen niederrangigen Bediensteten der Garnison oder sogar um einen zivilen Migranten handelte.

In Rom war ein Pferd mehr als nur ein Reittier
In der römischen Armee waren Pferde nicht nur Transportmittel oder Kriegsgeräte. Besonders für Kavallerieeinheiten waren sie treue Begleiter. Jeder Kavallerist trainierte mit seinem Pferd, kämpfte mit ihm und starb in manchen Fällen sogar an seiner Seite. Manche Pferde wurden fast so geschätzt wie Soldaten. Roms fortschrittliches Militärsystem achtete sehr auf das Wohlergehen seiner Pferde. In den Burgen waren Tierärzte im Einsatz. Ja, Sie haben richtig gehört: Diese Männer, die „veterinarii“ genannt wurden, interessierten sich nicht nur für Krankheiten, sondern auch für die Leistung der Pferde. Sie überwachten deren Leistung, protokollierten, wie viel Gewicht sie tragen konnten, wie viele Kilometer sie pro Tag liefen und sorgten für die richtige Ernährung.

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